Postpartale Depression – Wochebett-Depression

24 Jan

Liebe Frauen,

Hier findet Ihr einen sehr wichtigen Beitrag von Isabel zum Thema Wochenbett-Depression.

 

Postpartale Depression

 

Als meine Tochter 5 Monate alt war, musste mein Mann für viele Wochen beruflich verreisen. Mit einem äußerst lebendigen Kind, das nie viel geschlafen hatte, fand ich mich unversehens in einer Spirale aus Schlaflosigkeit, Panikattacken, Rastlosigkeit und Erschöpfung  wieder. „ Wie soll ich das schaffen?“ hämmerte es in meinem Kopf „Du musst für sie da sein, du musst funktionieren!“.

Ich war so in dem Gedanken gefangen, funktionieren zu müssen, dass ich meine Erschöpfung vorher nicht hatte einschätzen können. Meine Reserven waren aufgebraucht, auch durch sehr anstrengende Monate nach der Geburt, in denen unser Baby sehr viel geschrien hatte.

Auch als die Großeltern einsprangen und sich um mich und ihr Enkelkind kümmerten, gelang es mir kaum, abzuschalten und mich zu erholen. Zu stark waren das Gefühl der Hilflosigkeit und der Gedanke, keine Auszeit haben zu dürfen. Ich war hoffnungslos, weinte viel, fand kaum in den Schlaf, suchte panisch nach einem Anker, der mir wieder auf die Beine helfen sollte.

Nun 6 Monate später geht es mir wieder gut, ich fühle mich noch erschöpft und manchmal überfordert, aber viel wohler und stabiler. Ich habe viel ausprobiert: Homöopathie, Akupunktur, Psychotherapie, Tees, Meditationen,… Da ich zumindest am Anfang noch gestillt habe, blieben einige Mittel (z B Antidepressiva) ausgeschlossen.

Geholfen haben mir vor allem diese Dinge:

1. Unterstützung bei der Betreuung meiner Tochter. Mein Mann konnte sich, als er von der Reise zurück war, Zeit vom Beruf nehmen, um für unser Kind da zu sein. Wir bekamen eine Haushaltshilfe, die einem der Frauenarzt attestiert und die bei uns für 6 Wochen 5 Stunden am Tag da war (1. Unterlagen von der Krankenkasse zusenden lassen, 2. Zum Frauenarzt und Attest ausfüllen lassen, geht bis zu 4 Monate und für 5 Std am Tag). Durch die Unterstützung konnte ich Therapien wahrnehmen, mich ausruhen, insgesamt Abstand gewinnen und wieder zu mir finden.

2. Außerdem eine psychologische Beratung der Familien- und Erziehungsberatung, um mir darüber klar zu werden, was ich brauche, um wieder zu Kräften zu kommen. Statt in einem nebulösen Gefühl darauf zu warten, dass etwas mich rettet, konnte ich so selber die notwendigen Schritte unternehmen. (Kontakte findet man, wenn man „Familien- und Erziehungsberatung“ googelt; die Beratung versteht sich quasi als erste Hilfe).

3. Eine Körpertherapie, die mir geholfen hat, Verhaltensmuster, wie zum Beispiel das Panisch-werden, zu erkennen und oft zu stoppen, sowie mir alter Gefühle bewusst zu werden und sie zu verarbeiten. Die Form, die mir geholfen hat, nennt sich Grinberg-Methode (zu empfehlen sind Einzelsitzungen). Sicherlich gibt es eine Reihe weiterer ähnlicher Therapieformen.

Nach dieser nicht schönen aber intensiven Zeit denke ich, dass eine postpartale Depression nicht einfach über einen kommt und ein rein körperliches Symptom ist (durch Hormonschwankung o.ä.). Durch die körperliche Belastung und den Schlafmangel und durch das Zusammensein mit einem Baby (einem perfekten kleinen Geschöpf) werden alte Gefühle und überkommene Mustern, oft aus der eigenen Kindheit, präsent. Man hat nicht wie sonst die Energie, sie in Schach zu halten. Ich glaube, dass die Depression eine Chance bietet, damit aufzuräumen.

Ich habe eine besonders schöne Erkenntnis gewonnen im Laufe der letzten Wochen: vorher fühlte ich mich oft unwohl mit meiner Tochter, war unruhig, fand es schwierig, eine Balance zwischen ihren und meinen Bedürfnissen zu finden. Ich hatte Sorge, dass dies mit ihr selbst oder auch mit meiner Mutter-Rolle zu tun hatte. Ich durfte feststellen, dass diese Unruhe verschwunden ist, nachdem mir einige sehr alte unangenehme Gefühle bewusst geworden sind. Nun kann ich das Zusammensein mit meiner Tochter endlich genießen.

Ich wünsche allen Betroffenen viel Unterstützung auf ihrem Weg, den festen Glauben, dass dies alles zu etwas nütze und nicht sinnlos ist, und die Kraft, um den Weg aus der Krankheit zu gehen.

 

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