Kurzmitteilung

Schatten und Licht

22 Nov

Liebe Frauen, liebe (werdende) Eltern,

In meinen Kursen lege ich großen Wert auf persönlichen Austausch. So kommen viele, sehr berührende Geschichten zu mir. Hier ein Bericht von Florentine Junis, die als Kind sexuell mißbraucht wurde. Sie besucht mit ihrer kleinen Tochter einen Rückbildungskurs von mir und hat den Mut aufgebracht, von ihrem Schicksal zu berichten. Wir haben zusammen beschlossen ihre Geschichte hier zu veröffentlichen mit dem Focus, anderen Frauen Mut zu machen die oft lange Kette von Gewalt in ihrer Familie zu durchbrechen und so das Leben ihres eigenen Kindes zu schützen. So kann auch eine Heilung der eigenen Seele stattfinden.

Der Bericht wird weiterhin in meiner Rubrik Licht und Schatten zu lesen sein. Bei Fragen oder dem Wunsch Kontakt aufzunehmen, wendet Euch gern an mich.

Anbei ein weiterführender link zum Thema. Zartbitter ist eine wirklich gute, hilfreiche Seite, weil sie sich um die Kinder, aber auch um die Mütter und Väter kümmert, denen dieses Schicksal zu Teil geworden ist.

http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Muetter_Vaeter/8000_eltern_ratgeber.php

Hier der Bericht von Florentine:

Gibt es so etwas wie Zufall  oder Vorbestimmung ?

Das russische Wort Zufall bedeutet in der korrekten Übersetzung „unbestimmte Notwendigkeit“.
Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, machte ich mir, wie alle Mütter, Gedanken um die Vorbestimmung meines Kindes. Farbe der Augen und Haare, Form der Füße und Hände – eben alles was das Genmaterial in der Erbmasse enthält – die Hardware.
Aber was ist mit der Erbmasse in Form der Software?
Als ich vor vielen Jahren einen unbestimmt notwendigen Unfall hatte, war es unausweichlich eine Psychotherapie zu machen.

Am Nikolaustag, im Alter von 6 Jahren, begann der jahrelange Schatten meiner Kindheit.
Der Mann an der Seite meiner Mutter nahm sich als Guten- Nacht- Ritual das Recht heraus, Analverkehr bei mir zu praktizieren. Von einer Therapie wollte ich lange nichts wissen, aber nach dem Unfall hatte ich nur diesen einen Gedanken.
Während den Sitzungen kamen natürlich auch Fragen zu meiner Familie. Und siehe da, es wurde mir schrecklicher Weise ein Familienerbe mitgegeben, denn mehrere Generationen vor mir begannen in unserer Familie die sexuellen Übergriffe. Bei meiner Mutter im Kleinkindalter, bei meiner Oma im Kindesalter und bei deren Mutter als Kind und später als Frau bis sie mit 76 Jahren die Erlösung durch den Freitod fand.

Am Ende meiner Therapie lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Wir erlebten nach knapp 5 Jahren Beziehung die erste Schwangerschaft. Im 3. Monat allerdings kam es zu einer Fehlgeburt. Ein Jahr darauf war ich wieder schwanger, und auch diesmal eine Fehlgeburt im 3. Monat. Ich war am Ende und suchte erneut meine Therapeutin auf.
Der Nachname, den ich zu dieser Zeit trug, war der meines Peinigers und meine Therapeutin erinnerte mich daran, dass ich mal erwähnte unter diesem Namen würde ich kein Kind bekommen.
Im Jahr 2010 wurde meinem Antrag auf Namensänderung zurück zu meinem Geburtsnamen statt gegeben. Und 2 Jahre später bekam ich eine gesunde Tochter. Zufall?

Im Vorbereitungsgespräch zur Geburt wurde ich von der Hebamme gefragt, ob sexuelle Übergriffe bei mir vorliegen, da es bei einer natürlichen Geburt zu Schmerzen mit Erinnerungsfaktor kommen kann. Und es gab während meiner Geburt diesen winzig kleinen Moment, wo ich wusste was sie meinte. Die Geburt meiner Tochter dauerte verhältismäßig kurz. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es bei einer langen Geburt zu Erinnerungen kommen kann, welche in einer Depression enden.
Es gibt viele Bücher und Ratgeber zum Thema sexueller Missbrauch, aber heilen kann nur das Anschauen der eigenen Geschichte mit den individuellen Facetten.
In meinem Fall kann ich nur sagen, die Software wurde umgeschrieben und meiner kleinen Tochter steht eine eigene Geschichte bevor.
Ich wünsche allen Betroffenen die Kraft und Energie für die Bewältigung  der eigenen Geschichte, und anschließend das unbeschreiblich große Glück die gewonnene Lebensfreude mit dem eigenen Kind zu genießen.

Florentine Junis

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